Genau 50 Jahre nachdem sein Opa Jochen die ersten Reben gepflanzt hat und damit den Grundstein für das Weingut Goldschmidt gelegt hat, steigt Jonas nun hauptberuflich und mitverantwortlich in den Betrieb ein.

Am 28.06.2019 hat Jonas mit dem Erhalt seiner Urkunde sein abschließendes Berufsziel erreicht. Wir gratulieren unserem Sohn herzlich zum Staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Oenologie und Weinbau und sind mächtig stolz auf ihn. Nun, ab 1. Juli, wird er dann als Juniorchef in unserem Betrieb mitverantwortlich sein und seine Ideen und seine Erfahrungen aus seiner Ausbildung einbringen.

Wir freuen uns auf ein neues Kapitel in unserer Weingutsgeschichte.

Angefangen hat alles im vorigen Frühjahr. Schauen wir kurz zurück:


Februar 2018, Jonas ist zuversichtlich seine Weiterbildung zum „Staatlich geprüften Wirtschafter Fachrichtung Weinbau und Önologie“ erfolgreich abzuschließen und möchte noch eine Stufe weiterklettern. Er bewirbt sich an der berufsbildenen Schule für Agrarwirtschaft in Bad Kreuznach zum einjährigen Vollzeitkurs, um dann die Prüfungen zum „Staatlich gegeprüfter Techniker Fachrichtung Weinbau und Önologie“ zu absolvieren. Dort wird ihm mitgeteilt, dass eine praxisbezogene Arbeit zu einem von ihm gewählten Thema Bestandteil der Prüfung ist.
Er überlegt nicht lange: Schon während seines Auslandspraktiums in Neuseeland ist ihm aufgefallen, dass der Sauvignon Blanc dort entblättert wird. Das heißt, damit die Trauben frei und luftig hängen, werden Blätter drumherum entfernt. In Deutschland ist das zwar auch gängige Praxis, aber nicht beim Sauvignon Blanc. Hier ist die Lehrmeinung, dass dadurch zuviele der grünen Aromen von Kräutern, Gras und grüner Paprika und die typisch für den Sauvignon Blanc sind, verloren gehen. Ist das wirklich der Fall? Warum haben dann die Neuseeländer trotzdem so fruchtige Sauvignon Blanc Weine? Jonas will es wissen.
Mai 2018, die Reihen im Sauvignon Blanc werden markiert: E1 wird einseitig entblättert, E2 zweiseitig, die Kontrollvariante K wird nicht entblättert.

Variante 1Variante 2KontrollvarianteEntblttern

Die anfangs deutlich sichtbaren Unterschiede verschwinden bald. Aufgrund des extrem trockenen Sommers mit hoher Sonneneinstrahlung verzichtet Jonas trotzdem auf eine zweite Entblätterung. Die Gefahr von Sonnenbrand auf den Trauben ist zu hoch.
September 2018, die Lese steht an. Um ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten, ernten wir jeden 10. Stock in den markierten Reihen mit der Hand. Die Trauben dieses einen Stockes werden in einen Eimer gelesen und mittels einer Kofferwaage das Gewicht jedes Eimers ermittelt. So kann Jonas Aussagen über den Ertrag der jeweiligen Entblätterungsvariante treffen.

Jonas LeseJonas Lese 2Jonas Lese 3

Dann kommen die Trauben, natürlich nach Reihen getrennt, in Bütten. Jonas bringt sie nach Oppenheim ins DLR, da dort im Versuchskeller entsprechend kleine Pressen, Filter und Fässer für den Versuchsausbau vorhanden sind. Er keltert, filtriert und gibt Hefe zu.
Der Ausnahmesommer lässt vermuten, dass die Versuchergebnisse von Jonas nicht besonders aussagekräftig sein werden. Darum startet er noch einen weiteren Versuch mit seinem Sauvignon Blanc: Er schneidet bei dem inzwischen mit dem Vollernter geernteten Restreihen mehrere Eimer Rappen (so nennt der Winzer das Stielgerüst der Trauben) ab und gibt sie einem der Versuchsfässer hinzu. Nun heißt es abwarten.
Januar 2019, nun wird es spannend. Die Gärung ist beendet, die Weine haben sich geklärt. Jonas sticht den Sauvignon Blanc ab, das heißt er trennt die Hefe vom klaren Wein und nimmt erste Proben zur Verkostung. Gleichzeitig nutzt er die ruhigere Zeit, um Gliederung und erste Texte für seine Technikerarbeit zu erstellen.
Und das Ergebnis? Bleibt noch abzuwarten, wir halten Sie auf dem Laufenden!

 

Der Frühling fiel dieses Jahr fast aus: Mit schon eher sommerlichen Temperaturen bereits im Mai hatten wir eine der frühesten Rebblüten aller Zeiten. Und nach einer alten Winzerregel ist dann 100 Tage später mit der Ernte zu rechnen.

Da dann der Sommer mit Hochdruckgebieten in Serie nochmals den Turbo anschaltete, hatten wir bald einen Reifevorsprung von gut drei Wochen zum langjährigen Mittel. Einige Gewitter sorgten zwischendurch für etwas Wasser, leider aber auch für leichte Hagelschäden in einigen Weinbergen.

Ende Juli konnten wir schon die ersten reifen Trauben in frühen Sorten finden und rechneten mit einer sehr frühen Lese. Doch durch die anhaltende Trockenheit verzögerte sich die Reifeentwicklung dann doch noch um ein paar Tage, so dass wir zwar schon Ende August mit der Ernte anfingen, aber nur langsam mit vielen Erntepausen weiterlesen konnten.

Die Trockenheit ließ vermuten, dass nur wenig Saft aus den Trauben gepresst werden könnte, doch hier täuschten sich selbst die Experten. Der Jahrgang 2018 überraschte uns mit einer hervorragenden Qualität bei gleichzeitig sehr guten Erntemengen. Nach zwei sehr kleinen Ernten war dies für uns ein großes Glück.

Nun sind die Moste vergoren, die Jungweine präsentieren sich sehr vielversprechend mit einer sortentypischen reifen Frucht. Bis Mitte März werden wir Ihnen voraussichtlich die ersten 18er anbieten können.


Sechs Kultur-und Weinbotschafter aus Rheinhessen, zwischen Pfeddersheim und Mainz, haben in Kooperation mit 6 Winzern überlegt, geplant und schließlich begonnen, was ein Erfolg werden konnte. Ziel, dieser Idee ist es Menschen für Rheinhessen zu begeistern, den Wein der Winzer kennenzulernen, indem sie selbst „Hand anlegen“. Einer unserer Teilnehmer kam aus Hannover, andere über den Rhein, weitere direkt aus Pfeddersheim.

Winzer fr ein Jahr
Im März 2018 waren sie erstmalig unterwegs DIE WINZER FÜR EIN JAHR und der aufmerksame Hunde- Gassi -Führer, plus der Samstagmorgen Walker mochten erstaunt sein, wer sich da im Rebschnitt übte.
Schon im Vorfeld musste unser Winzer Uli Goldschmidt sich sagen lassen, dass er jetzt auch vergesslich wird, da er eine Zeile im Wingert übersehen hatte. „Nein“ rief er eilig und lachend den aufmerksamen Ortskundigen zu. „Das bleibt für den 17. März stehen, da kommen Leute vorbei, die über die Herstellung von Wein mehr wissen wollen, denen die Erkenntnis nicht reicht „oh, der Wein schmeckt lecker.“
Die Zeit verging nicht schnell genug, doch endlich war es Juni und das 2. Treffen stand an. Jeder Winzer konnte entscheiden, was er den Interessierten erklärt und orientierte sich dabei an den Begebenheiten in seinem Weinberg. Während der Hitze und der heftiger Sonneneinstrahlung, wurden in der Jungweinanlage die zarten Triebe angebunden. An diesem Mittag waren alle überglücklich, denn es standen Spargel und Co, samt kühlem Silvaner bereit. Unter einem alten Baum mit viel Schatten genossen wir das fantastische Mahl, von der Winzerin Elke zubereitet.
Was ist eine Grüne Lese? Warum bekommen Reben Sonnenbrand? Was ist Trockenstress? Uli Goldschmidt ist ein strahlender Erzähler mit Geduld und Fachwissen ausgestattet. Im Juli profitierten die „Winzer auf Zeit“ erneut von diesen Tugenden und gingen beherzt in das Reebenmeer, um da Laub zu entfernen, wo die Sonne den Trauben am Anfang der Tages nicht gefährlich werden kann und achteten darauf, dass es schützend erhalten bleibt, wo die Strahlen in der Mittagszeit Gefahr ( Sonnenbrand) für die Trauben bedeuten können.
Erntezeit! Bereits seit August wurde gelesen. 2018 wird zum Ausnahmejahr mit hervorragender Qualität des Lesegutes. Die Lese von Beeren des Weißburgunders, war eine einzige Freude. Nichts machte uns an diesem Oktoberabend mehr glücklich als 5 Liter Traubensaft, aus eigener Ernte, in den heimischen Keller, zur Beobachtung, stellen zu dürfen - ein Experiment, das in diesem Fall gerne Wagnis und Abenteuer genannt werden kann.
Vor wenigen Tagen, am 12. Januar trafen sich die Teilnehmer nochmals mit den Ergebnissen ihres Experimentes in der Verkostungsstube der Goldschmidts. Dort wurden die verschiedenen Ausprägungen der diversen Weißburgunder probiert. Das war eine Erfahrung die ich nicht missen möchte, der Eine oder Andere war geradezu „aus dem Weinberghäuschen“, dass der gleiche Grundwein so überraschend viele Nuancen aufweist. Hatten doch lediglich die Komponenten Temperatur, Hefe oder Schwefel seine Wirkungen gezeigt.
Besonders stolz macht uns die dafür verliehene Auszeichnung „Best of Wine Tourism-Award 2019“.Unter YOUTUBE kann der Leser ein Video sehen: Kultur und Weinbotschafter Rheinhessen, Best of Wine Tourism-Award 2019. Projekt „Winzer für ein Jahr“.
Die Kultur kam übrigens nie zu kurz. Mit liebevoller Unterstützung konnte die Synagoge, die Stadtmauer in privaten Räumen, der Bürgerturm, der Trullo und der Kirchturm besichtigt werden.
Ich verabschiede mich bei Ihnen mit Carl Zuckmayer aus der „Fröhliche Weinberg“: „die Darstellung des Lebens und der Liebe in diesem rheinischen, weinseligen, rauflustigen und lebensfrohen Lustspiel“ war mir ein Genuss.

Ihre Simone Merz
Kultur-und Weinbotschafterin Rheinhessen
Mitglied des Vorstands der Kultur-Initiative Pfeddersheim